Erster Test: Edelrid Megawatt

Erster Test: Edelrid Megawatt

Das neue Edelrid Megawatt verspricht hohen Abseilkomfort

Fünf Jahre hat Edelrid an seinem ersten „großen“ Abseilgerät getüftelt. Herausgekommen ist das brandneue Megawatt – man wollte nicht einfach nur ein neues Gerät bringen, sondern echte Innovation. Wir hatten das im Frühjahr 2023 erscheinende Abseilgerät bereits zum Test am Seil. Hält Edelrid das Versprechen?

Was kann man an einem Abseilgerät noch groß verbessern? Es gibt doch schon Dutzende, und gar nicht so schlechte. Edelrid stellte sich bei der ersten Komplett-Eigenentwicklung genau diese Frage. Was nervt Anwender beim Abseilen? Schnell wurde den Entwicklern klar: es ist der Hebel.

Bei einigen Abseilgeräten muss man den Hebel ewig weit drehen, bis überhapt etwas passiert. Bei den meisten ist der „sweet spot“, also der eigentliche Abseilbereich, ziemlich klein und man benötigt Fingerspitzengefühl. Und bei Dritten erreicht man zu schnell die Panikbremse.

Edelrid fokussierte sich also auf den Hebel, und der ist die eigentliche Innovation. Auf den ersten Blick (und beim ersten Anfassen) ist der schon fast unverschämt kurz – wie soll man da noch anständig dosieren können? Das Geheimnis liegt im Innern: Edelrid hat als wohl erster Hersteller ein Getriebe eingebaut. Während bei anderen Geräten der Abseilhebel direkt am Bremsnocken ansetzt, wurde dem Megawatt eine Übersetzung spendiert. Die ist unsichtbar und wartungsfrei ins Gehäuse integriert und führt dazu, dass der Bremsnocken wesentlich feinfühliger angesteuert werden kann.

Kleiner Hebel, große Wirkung

Klein, aber oho: der breite Abseilhebel hat ein integriertes Getriebe für extrem weiten Sweet spot.

Der Effekt ist überzeugend. Das Megawatt hat einen enorm breitbandigen „Sweet spot“ von 22 cm Hebelweg und überflügelt damit jedes andere Gerät um mindestens das Doppelte. Das Praxisversprechen lautet also: sehr feine Dosierbarkeit bei kompaktem Hebel. Die Dosierbarkeit soll so gut sein, dass man den Hebel auch per Daumendruck bedienen kann.

Der Hebel wird übrigens aus zwei Komponenten gefertigt, die schwarzen Gummieinlagen sind sehr griffig. Auch die Breite trägt zum guten Grip bei.

Enorme Bandbreite

Eine weitere Auffälligkeit des Megawatt ist die enorme Bandbreite an verwendbaren Seildurchmessern. Die reicht von 8,9 bis 11,8 mm. Wir kennen kein anderes Gerät mit einer solchen Spanne! In der Praxis muss man also nicht gleich das Gerät wechseln, wenn man mal an dünneren Durchmessern von Ultraleichtseilen oder an schlanken Baumpflegeseilen klettert.

Praxistest

Beim ersten In-die-Hand-nehmen dachten wir: wasn fetter Hebel! Der ist zwar kurz, dafür aber enorm breit und ziemlich griffig. Das ganze Gerät ist trotzdem sehr kompakt – nur unwesentlich größer als das Eddy aus gleichem Haus. Mit 500 Gramm (gemessen) liegt das Megawatt 100 Gramm unter dem Petzl ID und 50 Gramm unter dem CT Sparrow. Es ist aber 90 Gramm schwerer als das Petzl Rig und bringt auch 40 Gramm mehr auf die Waage als das ISC A-B.

Sehr gut: das Befestigungsloch für den Karabiner ist so groß, dass dieser durchgedreht werden kann. Außerdem kann das Gerät geöffnet werden ohne Abnehmen vom Gurt. Geöffnet wird über einen Zweistufen-Knopf: einmal gedrückt, öffnet die Seitenplatte bis zu einer Sicherheitsnase, und erst beim zweiten Drücken geht das Gerät ganz auf. Wer also das Megawatt aus Versehen nicht ganz zudrückt, dem schwingt nicht gleich die Seitenplatte auf. In der Halboffen-Stellung wird auch über eine rote Farbmarkierung gewarnt.

Das Edelrid Megawatt kann geöffnet, ohne vom Gurt genommen zu werden

Innenleben: Das Seil wird konventionell eingelegt, das Megawatt muss dazu nicht vom Gurt genommen werden. Zum Öffnen bedient man einen Knopf mit Zweistufen-Sicherheitskonzept und roter Offen-Markierung. Der Karabiner kann mitsamt Verschluss durch das Befestigungsloch gedreht werden.

Das Seileinlegen geht intuitiv wie bei anderen Geräten. Auffällig sind die zusätzlichen Edelstahlelemente am Seilein- und Ausgang. Das Megawatt macht haptisch einen sehr robusten Eindruck, da klimpert nichts. Wer möchte, kann es für stationäre Seilbetriebe/in Seilsystemen sogar verschrauben gegen unbeabsichtigtes Öffnen.

Aufstieg

Wir haben das Gerät an einem 11 mm Edelrid Static Low Stretch mit PES Mantel getestet per klassischer Aufstiegsmethode: Handsteigklemmenumlenkung per Rolle. Das Static Low stretch ist eher ein flottes Seil mit gutem Durchgang – beim Aufstieg lief es nach unserem Dafürhalten eher mittelfluffig über den Bremsnocken. Wir würden den Wirkungsgrad subjektiv ähnlich dem Petzl Rig einschätzen und etwas besser als Petzl ID und CT Sparrow. ISC A-B und Edelrid Eddy laufen gefühlt etwas besser.

Wer allerdings ein 10,5er Seil oder gar darunter einsetzt, bei dem dürfte der Aufstieg weich und problemfrei laufen, getreu dem Motto: je dünner das Seil, desto problemloser der Aufstieg.

Update 20.10.22: mittlerweile haben wir 10,5er und 9,5er Seildurchmesser getestet. An beiden Durchmessern läuft das Megawatt spürbar flüssiger als am 11er Seil. Der Wirkungsgrad am Ultimate Pro Seil liegt mit 61 % in der Top-Gruppe (Petzl ID: 56%). Je höher der Wirkungsgrad, desto geringer die Reibung im Gerät und leichter der Aufstieg. Vollständigen Labormessungen/Ergebnisse veröffentlichen wir hier in den nächsten Wochen.

Abseilen

Das Abseilen ist das eigentliche Wunder des Megawatt. Du greifst an den Hebel und denkst zuerst – huch, der ist aber kurz! Trotzdem kann man die Abseilfahrt butterweich steuern durch den enorm großzügigen Sweet spot. Auch die Breite des Hebels ist dabei praktisch. Aufgefallen ist uns auch der Soft Start: während man bei anderen Geräten erst einmal zerren muss, bis überhaupt etwas passiert, spielt Edelrid die Getriebeübersetzung aus, und man kann müheloser und weicher in die Abwärtsfahrt gehen.

Durch das Getriebe kann der Hebel auch per Daumendruck bedient werden (links) oder im konventionellen Abseilmodus (rechts).

Das Abseilen lässt sich so gut dosieren, dass Edelrid noch einen andere Handhaltung vorsieht – von innen gegen den Hebel drücken per Daumen. Tatsächlich funktioniert auch das ziemlich gut.

Lässt man den Hebel los, klappt dieser automatisch in die Zu-Stellung an die Gehäuseseite und ist aus dem Weg.

Bis zum Eingreifen der Panikbremse dauert es lang und man muss weit „überziehen“. Die macht dann nicht „klack“ wie z.B. Petzl ID, sonder eher ein weicheres „Fump“. Nach dem Greifen der Paniksicherung bleibt der Hebel offen stehen. Zum Zurückstellen muss man ihn wie beim Eddy fest zurückdrücken oder durch langsames Drücken mit offenem Hebel weiter abseilen. Hier finden wir das automatische Zurückstellen beim Petzl ID narrensicherer.

Update 20.10.22 nach weiteren Tests: zum Zurückstellen der Paniksicherung reicht auch eine kurze Entlastung des Geräts, etwa kurz in die Fußschlaufe stellen oder an einer Konstruktion/Ast hochziehen. Sogar ein kräftiger Zug am Seil reicht. Der Hebel schnappt dann automatisch in die Ausgangsstellung zurück. Die Paniksicherung greift auch an dünneren Seildurchmessern sehr spät und durch die gute Dosierbarkeit kommen höchstens Anfänger in den Grenzbereich.

Das Megawatt hat einen Panikmodus und Seil kann auch manuell ausgegeben werden

Im Panikmodus bleibt der Hebel offen stehen und muss zurückgedrückt werden. Gut: zum Seilausgeben am Boden kann man per Daumen den Bremsnocken direkt drücken.

Wir haben das Megawatt auch in simulierter Schrägseilsituation ausprobiert, vergleichbar mit dem Abseilen im Steilgelände mit Bodenkontakt. In solchen Situationen greifen bei vielen Geräten die Paniksicherungen zu schnell und nerven. Nicht so beim Megawatt: es spielt seinen enormen Hebelweg aus, und man kann fast genauso gut runter wie bei Geräten ohne Paniksicherung.

A propos runter: wer aus dem Baum kommt und sein Seil für den Ausbau entspannen möchte, der kann den Bremsnocken direkt drücken per Daumen – funktioniert einfach und schnell.

Fazit

Nach unserem ersten Test finden wir das Megawatt ein gelungenes Gerät mit sehr vielen guten, zuweilen einzigartigen Features. Es besticht durch Kompaktheit, Robustheit und gute Bedienung – ein echter Allrounder, der andere Geräte in dieser Preisklasse zuweilen übertrumpft. Für unsere Zwecke würden wir das Megawatt daher dem Petzl ID jederzeit vorziehen. Insbesondere die Bedienung finden wir viel praxiskonformer.

Das herausragende Feature ist tatsächlich der Hebel. Seine Kompaktheit benötigt eine erste Eingewöhnung. Ähnlich wie beim Fahrrad – wer dort von Felgen- auf Hydraulikbremsen mit Dreifingerhebeln umsteigt, merkt was möglich ist.

Auf Dauer hat das Edelrid Megawatt auf jeden Fall Spaßpotenzial. Auch sehen wir keine wirklichen Schwächen. In der 200-Euro-Preisklasse gibt es jetzt also einen ernsthaften Konkurrenten zu den Platzhirschen.

Preis, technische Daten, Verfügbarkeit

  • Das Megawatt kostet 190 Euro
  • seit Februar 2023 verfügbar
  • für Seile von 8,9 bis 11,8 mm Durchmesser
  • Gewicht 500 Gramm (gemessen)
  • für Benutzergwichte bis 200 kg
  • zertifiziert nach EN 12841, EN 341, EN 15151

Kaufen

Das Edelrid Megawatt kannst du hier kaufen.

Brutal Betong Extreme

Brutal Betong Extreme

Etwa eine Autostunde vor Stockholm lockt einer der großen internationalen T5 Lostplace Klassiker. GC444FH Brutal Betong Extreme verspricht LP Spaß auf höchstem Niveau: Abseilen in Aufzug- und Förderschächte, tricky Einbauten an Deckenhaken und wackeligen Holzbalken, stockdunkle, wassergefüllte Kellergeschosse sowie ein grandioser Abseiler vom höchsten Förderturm mit zig Kilometern Aussicht. Wir sind hingefahren und waren begeistert.

Als Brutal Betong Extreme 2013 gepublisht wurde, hob er das T5 Niveau in Schweden mit einem Schlag auf ein neues Level. In kürzester Zeit avancierte der Geocache zum internationalen Must-have. Jahrelang führte er die schwedische T5 Favpointliste an, und selbst heute nach knapp 10 Jahren hat er eine Favpoint-Rate von 100 Prozent. Was macht dieses LP Abenteuer so attraktiv?

Es beginnt mit der Location. Ramhälls Gruvor ist eine alte, in den 1970er Jahren aufgegebene Erzmine; ein mehrere Hektar großes Gelände, das offiziell betreten werden darf. Die Gebäude locken Urban Explorer, Graffity Künstler, Drohnenpiloten, Touristengruppen und Geocacher an. Und anstatt eine 08/15 Dose zu verstecken, hatte der Owner Gormare schon früh das ganz große Besteck ausgepackt: ein T5 Multi über 12 Stationen, davon 7 Kletter-Stages, stets nach dem Prinzip „Da runter? Im Ernst??“

Der Cache

Brutal Betong Extreme erstreckt sich über 12 Stages. An jeder Stage findet man einen QR Code in überraschend guter Qualität, der jeweils zu einer Website führt mit nächsten Anweisungen. Außerdem gibt es zusätzliche UV Zahlen für die Finaldose. Alle Anweisungen sind in schwedisch – die Google Translator App hilft enorm, und ohne Smartphone geht sowieso nichts. Kleine Extra-Herausforderung für Mitteleuropäer: einige Caesar Chiffren basieren auf schwedischem Alphabet. Viel Spaß beim Suchen nach der richtigen App 😉

Inhaltlich und dramaturgich sind die Stages klasse durchdacht – das Niveau steigert sich zusehends. Dabei sind die Hinweise stets fair versteckt. Man muss nicht bis in die kleinste Ecke kriechen. Die letzten Stages sind ganz großes Kino, aber auch davor gibt es jede Menge Kletter- und LP-Abenteuer.

El Dorado für Sprayer – auch im schier endlosen Fördergang

Die Gebäude sind ein Paradies für Sprayer. Teilweise gibt es wirklich tolle Kunstwerke wie „Dagobert Duck“ oder „Spraycan“ –  zum Staunen darf man genug Zeit einplanen. A propos – für den gesamten Cache sollte man mindestens 8 Stunden veranschlagen, am besten gleich den ganzen Tag.

Das T5 Abenteuer ist nichts für Kinder – im gesamten Gelände besteht große Absturzgefahr. Teilweise geht es vorbei an teppichgroßen, mehrere Stockwerke tiefen Bodenlöchern, man balanciert über Dielen und alte Holzleitern viele Meter über dem Boden. Selbst Erwachsene müssen aufpassen.

Die T5 Stages sind überwiegend Abseiler. Man muss aber auch präzise werfen können. Eine Station erfordert Abseilen mit Wathose in knietiefes Modderwasser. Und bei mindestens zwei Stationen checkten selbst wir adrenalinbedingt alles dreifach 😉

Der Aufzug fährt seit 1975 nicht mehr. Da muss man selber ran 😉

Verschleißerscheinungen und Engpass Treppenhaus

Dass ein LP Multi nach knapp 10 Jahren überhaupt noch existiert – mit richtig gut erhaltenen Stages – ist verwunderlich genug. Allerdings haben die Gebäude gelitten. Größtes Problem ist der Übergang von Stage 8 zu 9. Der dafür nötige Aufstieg in einem Holztreppenhaus ist auf den ersten vier Stockwerken wegen eines Brandes nicht mehr vorhanden.

Zum Glück haben UE’ler und Sprayer im „Hinterzimmer“ provisorische Leiterkonstruktionen montiert, die teilweise mächtig Nerven kosten. Auch fehlt dort der Übergang zu einem Stockwerk, und es geht nur kletternd/seilunterstützt weiter. Der Seileinbau durch ein Deckenloch an einem wackeligen Balken war für uns die größte Herausforderung – wer hier aus Sicherheitsgründen abbricht, ist keine Sissie. Andererseits locken die großartigsten Stages sowie die Vollendung des Abenteuers, was bei uns zu langen Für-Wider-Diskussionen führte.

Das Maschinenhaus ist schwer zugänglich über wacklige Leitern.

Hat man die nervenraubende Engstelle überwunden, folgt T5 Lostplace Cachen der Extraklasse: zwei Stages, über die man noch Wochen später spricht. Bei denen man feuchte Hönde schon beim Seileinbau hat; und wo man hinterher das breiteste Schokoladen-Grinsen ever trägt. Offen gestanden kennen wir keine noch existierenden LP Stages solcher Art in Mitteleuropa. Wir fühlten uns zurück versetzt in die wilden frühen 10er Jahre Dosen wie „Elos Ultra“, „Dark Places – exponierter Domblick“ oder „Hui Buh verschwindet“.

Krabbeln hilft: die Bäume im Hintergrund sind 20 m hoch.

Ausrüstung und Kenntnisse nötig

Brutal Betong Extreme ist nichts für Anfänger. Obwohl die Kletter-Stages technisch überschaubar sind, sollte man den Umgang mit Anschlag-Hintersicherungen, Redirects und deren Tragfähigkeits-Beurteilung ebenso drauf haben wie den würgenden Einbau zur Lastenreduzierung. Seilschoner haben wir mehrfach eingesetzt. Manchmal ist der Hinweis nicht an der Abseilposition und man benötigt Kenntnisse in sicheren (!) hängenden Horizontalbewegungen. Als Minimalausrüstung empfehlen wir:

  • mindestens 30 m Seil (wer bis zum Boden abseilt: mindestens 50 m, wir benutzten das großartige Reise-/LP-Seil Spelenium Aramid). Wer doppelt einbaut bzw. das Seil an Übergängen hängen lässt, sollte 2 bis 3 Seile einplanen
  • komplettes Auf- und Abstiegsgerödel, wir benutzten unser eigenes Reise-Kletterset
  • Seilschoner, Supa Sling sowie Extraschlingen und -karabiner
  • Wurfzeug
  • Wathose
  • Helm und Handschuhe
  • Stirnlampe und UV-Lampe
  • Smartphone
  • gute Nerven

Ideale Besuchszeit ist Mai bis September, dann ist es lange hell. Wer das gesamte Gelände erkunden möchte: Mückenschutz nicht vergessen.

Der Cache-Owner ist kaum noch aktiv. Zwar scheint es, als ob sich Locals um den Cache kümmern, man sollte allerdings keine Jahre für seinen Besuch ins Land gehen lassen.

Die Stages im Mittelteil bereiten vor auf das große Finale

Unser Fazit

Brutal Betong Extreme ist ein echter internationaler LP Klassiker und ein unvergessliches Highlight in jeder Hardcore-Cachersammlung. Dafür sollte man das Ding allerdings ernsthaft durchziehen wollen – leider gibt es mittlerweile auch in Schweden Statistik-Bodenlogger, die mit ihrem Verhalten weder dem Owner, noch dem Cache einen Gefallen tun. Sie verpassen das, worauf es wirklich ankommt: ein saugeiles Abenteuer.

Wer die Dose machen möchte – wir helfen gerne bei der Vorbereitung. Kontakt genügt.

Neuer Kurs: geoclimbing Days

Neuer Kurs: geoclimbing Days

geoclimbing hat einen neuen Kurs: die geoclimbing Days behandeln praktische Dauerprobleme von Seilkletterern, und das im brandneuen Workshop Format. Das ist intensiver als gewöhnliche Kurse. Los geht es im September über zwei Tage mit den Themen Seileinbau, Hindernisse überwinden, Aufstiegstechnken und einem Seilbrückenprojekt. Die geoclimbing Days sind außerdem Kontaktbörse, Teststation, kostenloser PSA Check und noch viel mehr.

„Auf unseren Kursen ist es immer das Gleiche: zeigt einer unserer Trainer nebenbei Tricks, bildet sich sofort eine Interessenten-Traube“, stellt Kursleiter Robert fest. „Die Leute haben richtig Bock auf Finetuning, wir haben aber nie genug Zeit.“

Das soll sich jetzt ändern. Das neue Kursformat geoclimbing Days kümmern sich ausschließlich um Spezialthemen, Tricks und Kniffe, und das so intensiv wie nie zuvor. Dabei durchlaufen die Teilnehmer Workshops, in denen sie ausführlich alle Techniken ausprobieren und lernen können. So bekommen wichtige Seilkletter-Themen endlich die verdiente Aufmerksamkeit.

Seileinbau – Tricks gegen den Frust

Ein Dauerthema für Seilkletterer ist zum Beispiel der Seileinbau. Stories über die Wurfleine kann jeder erzählen, von „Nicht mehr runter gekommen“, „verheddert“, „gerissen“ bis zur totalen Verzweiflung reicht die Palette. Der Seileinbau Workshop nimmt das Thema auf, vom richtigen Setup über Materialkunde bis hin zu praktischen Übungen: wie bekomme ich eine verfangene Leine wieder runter? Wie baue ich auf die richtige Astgabel ein ohne neu zu werfen? Wie baue ich dünne Äste aus? Der Workshop behandelt selbst exotische Tricks wie den Einsatz mehrerer Leinen und Säckchen, Magnet-Tricks und natürlich auch Basics wie schlingenfreie Aufbewahrung, Beseitigung von Schlaufen, Einsatz von Einziehhilfen oder Verfeinern der Wurftechnik. Auch die Big Shot kommt zum Zug mit Finetuning Tipps.

„Ich muss nur noch sehr selten die Leine entwirren, und ein Wurfsäckchen habe ich auch noch nie verloren“, beschreibt Robert die jahrelange Wurfleinen-Optimierung. „Es wird Zeit, dass alle davon profitieren.“

Mal einfach so hoch

Beim Seilaufstieg setzt sich in den letzten Jahren der Trend zum Geräteaufstieg durch. Obwohl auf geoclimbing Kursen mühelosere Methoden gezeigt werden, bleiben viele Teilnehmer bei der konventionellen Technik. Robert: „Der Grund sind Unsicherheit und zu wenig Übung. Die Leute erkennen zwar den Vorteil der anderen Methoden, trauen sich aber nicht.“

Der Aufstiegs-Workshop geht das Thema endlich umfassend an. Die Teilnehmer können alle relevanten Aufstiegstechniken üben und deren Unterarten: Aufstieg mit Bruststeigklemme und Umbau; eine neue, mühlose Umbauhilfe auf das Gerät ganz ohne Bruststeigklemmen-Fummelei; Einsatz und Aufstieg mit Fußsteigklemme und Kniesteigklemme; Aufstieg per Treppentechnik. Die Teilnehmer können Vor- und Nachteile ausprobieren, und selbstverständlich steht ihnen die nötige Ausrüstung zur Verfügung. Selbst exotische Elemente wie Multicender-Einsatz von Rope Runner und Akimbo, Vor- und vor allem Nachteile des LOV etc. werden behandelt und können direkt ausprobiert werden.

Der Aufstiegs-Workshop behandelt außerdem „dirty“ Methoden, etwa Handgummi-Einsatz oder Wechsel-Froschtechnik. Selbstverständlich kommt auch Rahmen-Hardware nicht zu kurz wie Spezialseile, Aufstiegshandschuhe oder -hilfen. Die Teilnehmer sollen Lust kriegen auf Alternativen und Sicherheit gewinnen.

Cremige Seilbrücke mit drum und dran

Ein weiterer geoclimbing Days Workshop baut eine lange Seilbrücke mit allen Details – von der richtigen Befestigung, Spannen bis zur Befahrung inklusive Rettungs- und Rückholtechniken. Selbstverständlich gibt es dazu die komplette Ausrüstung, von Flaschenzügen über Tandemrollen, Rückholseile bis zum Einsatz von Spezialausrüstung.

Noch wichtiger sind die zahlreichen Praxistipps, etwa richtige Einbauhöhe, wie eine Person richtig zurückgeholt wird, optimale Personenbefestigung und Einsatz von Seilblockern und Kurzseilen. Richtig Spaß wird die Befahrung machen!

Hindernisse übersteigen

„Alle fancy Youtube Videos zeigen den Seilaufstieg ohne irgendein Hindernis“, stellt Robert fest, „die Realität sieht aber oft anders aus, denn dort warten jede Menge Hindernisse, die es zu überwinden gilt. Das beginnt mit dem Übersteigen von Ästen und wird richtig schwierig an Kanten.“

Der Hindernis-Workshop behandelt dies in aller Ausführlichkeit: wie übersteige ich Steinkanten, und zwar in beide Richtungen? Wie überklettere ich einen Seilschoner? Wie setze ich Handsteigklemme, Fußschlaufe und weitere Hilfsmittel geschickt ein, damit Hindernisse kein Problem mehr sind? Was sind die richtigen Handgriff-Reihenfolgen für den Überstieg? Wie bekomme ich Seilschoner auf entfernte Kanten?

Noch viel mehr: Kontaktbörse, Testzentrum…

Neben den Workshops sind die geoclimbing days eine wichtige Kontaktbörse. Schon immer haben sich Kursteilnehmer kennengelernt und für spätere Kletter-Abenteuer verabredet. Sogar einen Heiratsantrag gab es. Okay, so weit muss es nicht kommen, aber sich auszutauschen über tolle T5 Geocaches, sich abzusprechen oder auch die Infrastruktur unserer Anlage zu nutzen, das ist ein echter Mehrwert.

So schauen unsere PSA Sachkundigen kostenlos über die Ausrüstung, die Teilnehmer lernen neueste Produkte kennen, können diese oft auch testen. Allein der Fuhrpark an Test-Abseilgeräten ist beeindruckend.

Die geoclimbing Days gehen über zwei Tage. Die Workshops rotieren unter den Teilnehmern, so kommt jeder in den Genuss von allen Themen.

Die geocliming Days finden am 3./4.September und am 17./18. September 2022 statt.

Hier geht es zu den Terminen und zur Anmeldung.

Das Abenteuer beginnt vor der Haustür

Das Abenteuer beginnt vor der Haustür

Nachhaltigkeit, Umwelt, Corona- und Ukrainekrise haben das Freizeitverhalten verändert: Menschen suchen kürzere und echte Erlebnisse mit geringerem Aufwand. Nachhaltige Micro-Adventures boomen. Nicht umsonst erlebt Geocaching zweistellige Wachstumsraten. Gerade im T5 Bereich entdecken viele das große Erlebnis ohne großen Aufwand – das Abenteuer beginnt vor der Haustür.

„Das war soo geil“, schwärmte kürzlich eine frisch absolvierte geoclimbing Grundkurs-Teilnehmerin über ihre erste T5 Kletterrunde. „Wir hatten einen traumhaften Tag im Wald, jede Menge Adrenalin, und das gerade mal 5 Kilometer von zuhause!“

Tatsächlich erleben wir bei geoclimbing in diesem Frühjahr eine Nachfrage nach Grundkursplätzen wie selten zuvor. Von März bis Juli ist fast alles ausgebucht. Natürlich sind wir neugierig und fragen nach: Teilnehmer suchen in der Freizeit das sofort erlebbare Abenteuer, am besten mit Gleichgesinnten. Ohne großes Gedöns wie Planungs- und Reiseaufwand, Einreisebeschränkungen oder Kostenexplosion. Am besten noch nachhaltig, und ganz praktisch: wenig Fahrerei, gerne auch zu Fuß, in der Natur.

Der geoclimbing Kurs wird als Abenteuer-Führerschein für die neuen Erlebnisse gesehen. Jetzt lässt sich die Welt in der dritten Dimension erkunden. Außerdem lernen Kursteilnehmer andere verrückte Geocacher kennen mit den gleichen Hintergedanken. Denn tatsächlich steckt hinter dem Boom ein gesellschaftlicher Trend:

Leben und Freizeit selbst gestalten

In unsicheren Zeiten legt der Mensch Wert auf das, was er in seinem direkten Umfeld gestalten kann. Man findet wieder Gefallen an den kleinen alltäglichen Dingen. Es muss nicht immer die lang geplante mehrwöchige Monsterreise sein. Stattdessen spielen Alltagsfreuden eine wachsende Rolle – man entdeckt die Welt vor der Haustür.

Erlebnis mit Familie und Freunden

Anstatt Entfremdung, Distanz und Negativität wird wieder das echte, persönliche Umfeld wichtig. Man sucht Kontakte in der realen Welt mit wirklich netten Menschen. Noch nie hatten wir einen so großen Family-Anteil auf unseren Kursen. Und da wir tausende von kletternden Geocachern kennen, werden wir immer mehr gefragt nach Kletterpartnern – der Wunsch ist enorm hoch, mit anderen Gleichgesinnten etwas zu unternehmen.

Weniger ist mehr

Wenn alles teurer wird und man gleichzeitig etwas für die Umwelt tun möchte, sind Micro Adventures wie beim Geocaching eine verdammt gute Möglichkeit. Menschen suchen Erlebnisse in ihrer Region, weil der Aufwand dafür viel geringer ist. T5 Geocaching mit seinem hohen Thrill Faktor bietet dafür ideale Bedingungen.

Auf Kursen echt gefragt: Echter Spaß, echte Erlebnisse und echte Menschen.

„Obwohl das T5 Geocaching nicht neu ist und wir es seit 13 Jahren bedienen, hat sich doch eine Menge verändert“, stellt unser Geschäftsführer Robert fest. „Die Black-Tekkie-Undercover-Zeiten der martialischen Kletterfreaks sind vorbei, stattdessen suchen die neuen Geocacher unkomplizierten Spaß. Das Bedürfnis nach Sicherheit beim Klettern ist größer. Die Leute entdecken Seilklettern als Freizeitspaß, weil es sofortige Erfolgserlebnisse bringt und man abends wunderbar fertig ist.“

Viele lernen dabei ihre Umwelt neu kennen. Geocachern war das nicht neu. Sie werden häufig an Plätze geführt, die sie sonst nie entdeckt hätten. Das gilt auch für’s Seilklettern: der nächsten Wald wird schon zum Abenteuerspielplatz. Geocacher genießen toll gemachte Kletteraufgaben auch an Felsen und Konstruktionen (eine T5 Diashow dazu findest du hier). Das Ganze bei maximalem Naturerlebnis.

„Unsere Kunden verhalten sich nachhaltiger und dankbarer. Sie haben oft schon Pläne, was sie mit dem Seilklettern anstellen wollen. Das Seilklettern wird zum Ersatz und echten Alternative zu aufwändigen Urlauben. Sogar den Wohnmobil-Boom spüren wir, denn Womo plus Geocaching ergänzen sich perfekt. Auf unseren Kursen hat der Anteil der Womo-Fahrer spürbar zugenommen. Die Leute machen mehr Urlaub in der Heimat und merken, dass auch das spannend sein kann. “

Ein alter Trend kommt wieder

Und noch ein Trend kommt wieder: der Community Gedanke. Robert: „Als wir 2009 begannen, war den kletterinteressierten Geocachern das Miteinander enorm wichtig. Unsere Kurse waren eher Events von Gleichgesinnten. Es wurde geplaudert, Erfahrungen ausgetauscht, neue Kontakte geknüpft, sich Tipps gegeben. Das kommt jetzt wieder und die Leute sind glücklich, wenn sie eintauchen dürfen in das neue Kletter-Universum. Als zentrale Anlaufstelle werden wir immer mehr zur Austausch-Plattform.“

Offen gestanden sind wir glücklich darüber, denn uns hat das schon immer am meisten Spaß gemacht. So hatten wir schon zahlreiche „legendäre“ Kurse, die sich nicht dadurch auszeichneten, dass wir den Teilnehmern besonders viel beibringen konnten. Was zählte, waren tolle Stimmung und das Miteinander.

Dauertest: schwächt das Wetter mein Seil?

Dauertest: schwächt das Wetter mein Seil?

Unsere Experten werden oft gefragt, ob UV Strahlung oder Regen einen Einfluss haben auf die Haltbarkeit eines Kletterseils. Schwächt das Wetter mein Seil? Dieser Frage ist der Seilhersteller Teufelberger nachgegangen. In einem aufwändigen Laborversuch wurden verschiedene Seiltypen dauerhaftem Extremwetter ausgesetzt und danach getestet – mit interessanten Ergebnissen.

Ein Statikseil muss einiges aushalten, insbesondere bei T5 Geocachern und Seilkletterern, denn sie hängen die ganze Zeit dran. Steigklemmen, Abseilgeräte und Abrieb sind eine hohe Belastung. Dafür gibt es zahlreiche Tests, und in unserem Wissensbereich findest du in den Kapiteln „Seile“ und „Sicherheit“ einige Artikel.

Welchen Einfluss aber hat das Wetter? Muss ich mir Gedanken machen über UV Strahlen? Teufelberger hat in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Forschungsinstitut (ÖFI) zu dieser Frage einen Dauer-Labortest gemacht. Mehrere Seiltypen wurden 2.000 Stunden lang Extremwetter ausgesetzt, bestehend aus Regen, Sonne, Trocknungs- sowie Hell/Dunkelphasen. Diese „beschleunigte Bewitterung“ ist laut ÖFI etwa so, als ließe man die Seile 2-3 Jahre draußen hängen.

Nach der Tortur wurden die Seile untersucht auf äußere Veränderungen, Mechanik und Haptik. Außerdem wurde die Bruchlast getestet. Bald war klar: unterschiedliche Materialien und Konstruktionen widerstehen der Bewitterung auch unterschiedlich.

Polyester liegt vorn

  • In Sachen Reißfestigkeit hatte Polyester (PES) nach der Bewitterung einen Vorteil gegenüber Polyamid (PA): im Test blieb beim PA Seil eine Bruchlast von 83 Prozent, wohingegen die PES Konstruktion bei 91 Prozent lag
  • Den Top Wert mit 96 Prozent erzielte eine Spezialkonstruktion mit Vectran Kern und PES/Aramid Mantel. Solche Materialien werden allerdings nur bei (hochwertigen) Baumpflege-Reepschnüren eingesetzt
  • Auch die Flechtung spielte eine Rolle: ein PA Seil mit der hauseigenen Platinum-3D-Flechttechnologie schnitt trotz des empfindlicheren Polyamids mit 91 Prozent Restbruchlast so gut ab wie Polyester. Grund ist vermutlich die konstruktionstechnisch bessere Lastverteilung durch das gesamte Seil. Die Platinum Technologie setzen wir in einer verbesserten Variante (bessere Flechtung, Polyester) in unserem Ultimate Pro Seil ein

Da mit wenigen Ausnahmen fast alle Statikseile aus Polyamid sind, müssen Anwender mit einer Reduktionen der Reißfestigkeit um 17 Prozent rechnen. Ein Statikseil mit 22 kN Bruchlast läge dann bei 18 kN – noch immer ein Wert, der in realen Seilklettersituationen nahezu unmöglich vorkommt und sogar noch den Anforderungen der Typ B Norm für Statikseile entspricht.

11 mm Statikseil aus Polyamid neu (oben) und nach 2.000 Stunden Extremwetter (unten): höherer Mantelglanz und Dehnung

Neben den reduzierten Bruchlast-Werten stellten die Forscher weitere Veränderungen fest:

  • die Seile wurden härter
  • Seile mit PA Kern dehnten sich stärker
  • die Fasern wurden spröder und/oder rauer
  • manche – aber nicht alle – Seile verblassten bzw. bekamen einen leichten Glanz

Die Ergebnisse decken sich mit unseren Erfahrungen: auf unserer Trainingsanlage haben wir seit 21 Jahren (!) ein Seil dauerhaft draußen. Obwohl nie zum Klettern benutzt, ist es steif, hart und blass geworden. Auch haben wir in der Kletterpraxis bei Statikseilen nach einigen tausend Outdoor-Einsätzen eine höhere Dehnung festgestellt.

Wer lässt allerdings sein Seil so lange draußen hängen, erst recht keine 2-3 Jahre wie in der Studie simuliert? Kann man die Ergebnisse also getrost vergessen, zumal Verhärtung und Versprödung auch im normalen Abseilbetrieb vorkommen?

Alle Fehler addieren sich

Tatsächlich haben nach unserer Erfahrung Einflussfaktoren wie Nutzung, Abrieb, zurückgelegte Seilmeter und Waschen viel früher einen Effekt auf die Seilperformance. Bevor also der Wetter-Einfluss durchschlägt, wirst du dein Seil schon aus anderen Gründen aussortiert haben. Murphy aber sagt: alle Fehler addieren sich. Will heißen, es kommt der – wenn auch schwache – Faktor „Witterung“ noch hinzu und sollte zumindest im Hinterkopf behalten werden.

Was tun?

  • stellst du starke Verblassung/Vergilbung am Seil oder einer Bandschlinge fest – aussortieren bzw. nicht benutzen. Hier hat die Witterung bereits sichtbare Schäden hinterlassen
  • wird dein Seil so hart und steif, dass das Abseilen keinen Spaß mehr macht, wird es Zeit für ein neues
  • Seile mit Polyester und/oder 3D Konstruktion halten der Witterung (und den meisten anderen Faktoren) besser stand. Sie haben auch ein spürbar besseres Verhalten bei Nässe
  • benutzt du dein Seil als T5 Geocacher nur ab und zu, ist der Einfluss des Wetters auf die Seilperformance eher zweitrangig. Bevor das zum Tragen kommt, wirst du dein Seil wegen anderen Faktoren schon aussortiert haben
  • keine gute Idee ist es, dein Seil dauerhaft draußen zu lassen, etwa am Übungskletterbaum im Garten