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Geocaching Trends: Jammern auf hohem Niveau

Feb. 2, 2023 | News, Kurse und Events, T5 Geocaching | 1 Kommentar

Seit vielen Jahren betreibt geoclimbing.de Statistiken über (T5)Geocaching Trends. Demnach war 2022 ein erneutes Achterbahn-Jahr. Es scheint, als hätte nicht nur die Corona Pandemie das Cachingverhalten verändert. Wie sehen die aktuellen Entwicklungen aus?

„Alter, das ist ja mal ein Knick!“, kommentierte ein Mitarbeiter das aktuelle Geocaching Trends Diagramm (siehe oben). Die Anzahl der aktiven deutschen Geocacher ist im Jahr 2022 um knapp 18 Prozent gesunken. Es gehen also spürbar weniger Geocacherinnen und Geocacher dem Hobby nach als 2021. Entsteht hier ein Trend, oder frisst die Corona-Pandemie nur ihre Kinder auf?

Wandel hält an

Nach unseren Beobachtungen (und aktuellen Zahlen) scheint der Rückgang der Geocacher nur ein Hinweis zu sein auf einen globalen Trend: Geocaching ist nach wie vor enorm beliebt, allerdings wandeln sich die Player und ihr Verhalten. Während der Pandemie war Geocaching förmlich explodiert, nach deren Abflauen gingen manche Caching-Newbies aber wieder anderen Hobbies nach. Trotzdem scheinen sich die Zahlen auf höherem Niveau zu stabilisieren – Geocaching hat also trotz aktueller „Bereinigung“ unter dem Strich von der Pandemie profitiert, und das weltweit: im Mutterland USA stieg sogar die Anzahl aktiver Geocacher im vergangenen Jahr um fast 10 Prozent auf knapp 543.000.

Ein weiterer Hinweis auf ungebrochene Beliebtheit ist die Zahl der Geocaches. Die ist in Deutschland um gut 2 Prozent angestiegen und erreichte zum Jahresende knapp 428.000 Dosen. Weltweit stieg deren Anzahl um 1 Prozent auf 3,3 Millionen.

Megatrend 1: Qualität statt Quantität

Da wir jedes Jahr mit hunderten Geocachern tagelang auf geoclimbing Kursen verbringen und selbst aktiv cachen, fällt uns schon länger den Trend hin zu Qualität auf. Die 08/15 Dosen am Wegesrand ziehen die Wurst nicht mehr vom Brot. Im Gegenteil: immer mehr Geocacher beschweren sich sogar darüber („Platzverschwendung“, „rentiert sich nicht…“ etc.). Auch an Angel-Runden wird selten ein gutes Haar gelassen, denn Statistik wird modernen Geocachern immer unwichtiger, und spannungsmäßig bieten Angel-Caches zu wenig.

Der Wunsch nach Qualität nimmt dagegen zu: wenn ich schon cachen gehe, dann mit maximalem Erlebnis. Toll gemachte Dosen, geile Locations und auch Adrenalin steuern das Cacheverhalten. Letzteres zeigte sich 2022 bei uns wie selten zuvor: wir hatten noch nie so viele Kletter-Grundkurse, und es wächst auch altersmäßig eine völlig neue, junge Geocaching-Generation heran. Für die zählt das pure Abenteuer draußen.

Von wegen rückläufig: die Anzahl an T5 Caches ist in der BRD seit Jahren stabil. In den USA werden sie gar zum Trend.

Die Gesamtzahl der deutschen T5 Adventure Dosen ist seit Jahren stabil und pendelt sich ein zwischen 12.000 und 13.000 T5 Geocaches. Ganz anders in den USA – dort zeigt der T5 Trend seit der Pandemie deutlich nach oben. USA hat nach wie vor mit knapp 21.000 T5ern die höchste T5 Dosenzahl. Weltweit hat die Anzahl der Hardcore Geocaches im letzten Jahr um über 7 Prozent zugelegt auf 71.269 T5 er.

Auch in anderen Cachingbereichen zeigt sich der Qualitätstrend. So sind die supertollen Dosen mit Anmeldung und Warteliste nach wie vor extrem frequentiert. Und ohne Favpoints scheint es sowieso nicht mehr zu gehen.

Megatrend 2: irgendwann ist Schluss

Eine seit Jahren schleichende Entwicklung hat 2022 einen Boost bekommen: Geocacher stoßen immer mehr an Grenzen, gefühlte Verknappung scheint omnipräsent.

  • kein Platz mehr: Deutschland kommt mit knapp 429.000 Geocaches an echte Grenzen. Bei aktuell 1,2 Dosen pro Quadratkilometer ist irgendwann einfach Schluss. Viele Cacher berichten uns, eine geile Location gefunden zu haben, aber ein anderer Cache in der Nähe verhindert den Publish. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass neue Geocaches seltener werden: 2022 gab es hierzulande knapp 59.000 neue Geocaches, im Jahr davor wurden noch 66.000 Dosen gepublisht – ein Rückgang um 11 Prozent. Zwar gibt es insgesamt mehr Geocaches, da weniger archiviert werden. Der Spielraum wird aber eng
  • Energiekrise: bislang schien Geocachern die Fahrerei egal zu sein, doch 2022 berichteten immer mehr Kursteilnehmer über neue Effizienz: warum soll ich Sprit verballern für eine viel zu weite Dose? Caching-Touren wurden eingeschränkt oder ganz abgesagt. Auch das erklärt geringere Caching-Aktivitäten

Megatrend 3: Die Alten sterben aus

Auch dieser Trend hält seit Jahren an, hat sich durch die Pandemie sogar verschärft: es tritt eine völlig neue Geocacher-Generation auf den Plan, die mit vielen „alten“ Errungenschaften und Inhalten kaum noch etwas am Hut hat.

  • Statistik ist unwichtig. War in den frühen 2010er Jahren Statistik in aller Munde und statistik-orientiertes Cacherverhalten heiß diskutiert bis hin zu Kleinkriegen, spielt das in der neuen Generation keine Rolle. Darauf angesprochen, finden Newbies höchstens persönliche Statistik-Ziele interessant. An der Bubble der Looper (81er Matrix möglichst oft füllen) oder irgendwelchen Ranglisten haben sie kein Interesse
  • Spezialisten sind weg: entwickelten sich Anfang der 2010er Jahre Spezialisten für Teilbereiche des Geocachings, etwa reine T5 Gänger, ist das heute unwichtig. Neue Caching-Generationen sind Universalisten und möchten die ganze Bandbreite auskosten

Stipprute als Gehhilfe: die Alten sterben aus

  • Challenges, Tauschartikel und TB’s: Schnee von gestern. Während Tauschartikel in Geocaches völlig belanglos geworden zu sein scheinen (immerhin ein Ur-Gen des Geocachings), trifft es seit geraumer Zeit auch Trackables und nach unseren neueren Beobachtungen vermehrt Challenges – zwar sind diese beliebt, aber der Over-Hype der 2014/15er Jahre scheint vorbei. Wegen dem Run auf Challenge Caches sperrte Groundspeak damals sogar deren Publish für ein ganzes Jahr
  • Schnelles Abenteuer: die neue Geocacher-Generation mag es unkompliziert. Man möchte sich weder mit aufwändigen Rätseln beschäftigen, noch sollte der Gesamtaufwand für eine Dose zu hoch sein. Das zeigt sich auch im T5 Bereich, wo Angel-Dosen sinnbildlich stehen für diese Entwicklung. Auch Kletter-Dosen werden wieder einfacher

Fazit: Geocaching Trends 2023

Geocaching erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Die Pandemie hat eine neue Cacher-Generation hervorgebracht, die jünger und vielseitiger ist. Der Wunsch nach maximalem Erlebnis hat sich eher verstärkt, was sich auch in unseren Kursbuchungen zeigt. Allerdings ist die neue Generation auf unseren Kursen körperlich weniger fit und risikobereit.

Da sie viele „alte“ Errungenschaften des Geocachings nicht mehr kennen, wenden sich Geocaching-Newbies ungezwungen neuen Trends zu. So scheinen Adventure Labs mit derzeit hunderten neuen Dosen pro Monat zu boomen und stehen sinnbildlich für den Gesamt-Trend: weniger Statistik, weniger Hindernisse (z.B. Reviewing Prozess), dafür ein gut gemachtes Abenteuer per Smartphone.

Die Wahrnehmung altgedienter Hardcore-Geocacher, es gäbe kaum noch T5 Dosen, scheint die Statistik nicht zu belegen. Allerdings müssen T5 Gänger bei zunehmeder Foundzahl zwangsweise immer weiter fahren und wollen dann – damit es sich rentiert – möglichst viele T5 Founds. Das Ungleichgewicht  „Anzahl meiner T5 founds“ versus „neue T5 Publishs in meiner Umgebung“ wird so immer größer, und es entsteht der Mangel-Eindruck.

Die beste Nachricht zum Schluss: selten zuvor haben wir schieren Spaß gehabt auf unseren Kursen. Diese Motivation scheint Geocachern so wichtig wie zu Urzeiten – die pure Freude an der Dosensuche!

 

1 Kommentar

  1. deanwe

    Hallo,

    naja, ich kann die Euphorie nicht ganz nachvollziehen. Ich habe eher den Eindruck, das immer mehr 0815 Dosen geschmissen werden und Punkte über alles zählen. Da werden ganze Listen mit Mysteries geteilt, nur um möglichst viel Punkte mit möglichst wenig Arbeit zu bekommen. Da werden Teamstempel genutzt nur um möglichst viel Punkte mit möglichst wenig Arbeit zu bekommen. Man trifft auf einer Runde EINEN Cacher, der für 10 andere als Team stempelt. Guckt man später nach, hat dieser EINE Cacher an diesem Tag 50km zurück gelegt und 150 Funde verbucht! Es wird auf Cacherunden gnadenlos alles durchgeloggt, auch das was weg ist, selbst wenn es schon Nichtfunde gibt und nachweisbar keine Dose mehr da ist. Beliebte Ausrede ist auch das „Stift vergessen – aber ich war da“. Logerlaubnisse werden in Massen von den Ownern erteil, obwohl unzulässig. Man hats auf meiner eigenen Cacherunde auch schon mit Fotologs von anderen, fremden Petlingen versucht – obwohl ich keine PETlinge ausgelegt habe. Bei meinem Rätselcache D5 (mit Schloss) fanden sich die Lösungen plus Koordinaten und Schlosscode auf Facebooklisten. Nachdem ich anfing die Codes regelmäßig zu wechseln, hat man das Schloss gleich ganz aufgelassen. Ein ganz pfiffiger hat gar einen eigenen Code eingestellt und den dann auf Nachfrage verteilt. Jetzt kam ich selber nicht mehr in meinen Cache, dafür nahmen die Funde massenhaft zu – mit Fotos vom Logbuch. Da hab ich die schicke Dose dann archiviert.
    Da werden Filter erstellt um archivierte oder verschwundene Caches nachzuloggen, nur um möglichst viel Punkte mit möglichst wenig Arbeit zu bekommen. Es wird überall wo möglich versucht sich an Kletterer, Angler, Paddler, anzuhängen, nur um möglichst viele Punkte mit möglichst wenig Arbeit zu bekommen. Wo möglich werden Eartcaches, Wherigos u.dgl. gleich ganz von zu Hause per Fake GPS erledigt, nur um möglichst viel Punkte mit möglichst wenig Arbeit zu bekommen. Es werden ganze Listen mit tausenden Tb – sogar bisher unaktivierten – geloggt, nur um auch hier möglichst viel Punkte mit möglichst wenig Arbeit zu bekommen.
    Ich cache von Anfang an, aber noch nie gab es so viele Betrüger und Abstauber wie heute.
    Und was das Klettern anbelangt. Fast kein T5er Klettercache ist noch legal, weil – wenn man vorher um Erlaubnis fragt – nahezu alle abgelehnt werden. Fast jede Forstbehörde untersagt inzwischen Klettercaches an Bäumen. In der sächsischen Schweiz darf man zwar an Kletterfelsen klettern – aber keine Caches verstecken. Klettern in Lostplaces stellen fast immer Hausfriedensbruch dar und das Klettern unter Brücken – wie in meinem Fall – ist auch flächendeckend verboten. Kritische Infrastruktur. Legales Klettern ist quasi nur in Kletterhallen oder an Kletterwänden erlaubt und da gibt es keine Caches.
    Den Rest erledigt Groundspeak selbst. Neuester Schachzug – die Einschränkung der Tb Logs. Statt diejenigen zu sperren, die das missbrauchen, schränkt man lieber alle ein und entfernt die visit all Funktion.
    Für mich sind daher Tb´s unattraktiv geworden, da ich nicht mal mehr den eigenen an den gefunden Caches automatisch einloggen kann. Einzelnes einloggen ist aber wegen der lahmen Server zeitlich nicht vertretbar.
    Andere fremde nehme ich erst gar nicht mehr mit.
    Punkte sind mir egal, das Cachen an sich im Prinzip auch. Ich könnte nicht mal genau sagen, wie viele Funde ich im Moment habe. Für mich dient es ausschließlich dazu, auf meinen Reisen, Wanderungen oder Paddeltouren ein Ziel zu haben. Damit man raus WILL oder MUSS. Touren ohne Ziel macht man nicht so gerne. Ist in etwa das Gleiche wie der Hund für den gehfaulen Rentner.

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