
2025 war ein Geocaching-Jahr mit Bremsspuren, denn weltweit hat die Anzahl der aktiven Geocacher trotz 25-jährigem Jubiläum abgenommen. In Deutschland scheint das beliebte Hobby immer mehr an die Grenzen des Machbaren zu stoßen, mit allen Konsequenzen. Welche das sind, wie die aktuellen Zahlen aussehen inklusive T5 Klettererdaten, findest du in diesem Artikel.
Um es vorweg zu nehmen: in Deutschland ist die Anzahl der aktiven Geocacher* im letzten Jahr um 4 Prozent geschrumpft auf etwas mehr als 283.000. Gegenüber dem Allzeit-Peak im Coronajahr 2021 ist der Rückgang erheblich mit minus 25 Prozent – die deutschen Geocacher sind wieder auf dem Niveau von 2016 angelangt, und doch ist im Vergleich zu damals vieles anders: noch nie gab es so viele Geocaches und Platzprobleme, noch nie war das Cache-Verhalten so auf Masse ausgelegt, und auch das Generationsproblem wird größer.
Höchste Cachedichte der Welt
Aktuell gibt es in Deutschland 438.000 Geocaches, das ist ein Plus von 2 Prozent gegenüber 2024. Es stehen also mehr Geocaches für weniger Geocacher bereit, und noch nie war die Auswahl so groß. 13 Prozent aller weltweiten Geoaches findet man hierzulande, was gemessen an der Landesgröße ein Rekord ist. Mit 1,2 Geocaches pro Quadratkilometer hat Deutschland die höchste Cachedichte (USA 0,1 Caches/qkm) und gehört damit zur absoluten Speerspitze, dem mit Abstand wichtigsten Geocaching-Land außerhalb der USA.

Seit Corona ist die Zahl der aktiven deutschen Geocacher um 25 Prozent zurückgegangen, die Anzahl der Geocaches stieg aber auf ein neues Allzeit-Hoch.
Die einzigartige Cachedichte erzeugt auch einzigartige Probleme. Wenn es ein Überangebot gibt und keinen Platz, der Reviewing Prozess zum bürokratischen Albtraum wird und hinter jeder Ecke eine Dose wartet, verändert sich das Cachingverhalten. Man wird wählerischer, oberflächlicher, hopsiger, sucht sich die Rosinen aus dem Kuchen und frisst den Rest teilweise rücksichtslos in großem Volumen. Wegen einer einzigen Dose wird der Hintern nur bewegt, wenn diese außergewöhnlich ist. Seit Jahren beobachten wir deshalb die Zunahme von typischem Masse-Verhalten:
- Schatzi-Mausi-Logs: einige Geocacher sind derart faul geworden, dass sie nur noch ellenlange, nichtssagende Einheitslogs schreiben, die niemanden interessieren. Wir nennen diese Schatzi-Mausi-Logs: „Heute wollte ich mit meinem Schatzi mal wieder eine tolle Cachetour machen, und wir fuhren nach XXX um Mausi auch noch einzupacken, blablabla …“ Immer weniger Geocacher scheinen sich die Mühe zu machen, zu jeder Dose etwas schreiben zu wollen. Schon längst kann man Logs nicht mehr nutzen für Hinweise zum Cache, es sei denn, man möchte seitenlang durch Schatzi-Mausi-Logs scrollen. Manche Cacher sind sogar zu faul für den Einheitslog und lassen das kurzerhand ChatGPT machen
- Willkür: Dosen werden geloggt, ohne jemals vor Ort gewesen zu sein oder im Logbuch zu stehen. Kontrolliert sowieso keiner mehr, siehe dazu diesen Wissensartikel
- Trackables? Welche Trackables? Für die meisten Geocacher ist es viel zu aufwändig, Trackables aus Caches mitzunehmen und woanders abzulegen. Kostet nur Zeit und Nerven, und die spannende Reise eines TB’s zu verfolgen macht sowieso keiner mehr
- Doofe Dosen an doofen Orten: schon längst werden Geocaches nicht mehr an schönen Orten gelegt, also dort, wo man gerne hingeführt wird und die man sonst niemals entdecken würde
- Sperrungen: einige Landesforstbehörden sind dazu übergegangen, auf ihrem Staatsforst-Gebiet überhaupt keine neuen Geocaches mehr zuzulassen. Die Begründung: es reicht!
- Highlightcachen: wenn zu viel von allem da ist, findet Selektion statt. Caches mit vielen Favpoints oder spezielle Dosen wie T5 Klettercaches sind gefragt. Auch extreme Kalenderdosen werden nach wie vor überrannt, die Wartelisten sind lang
- Ausweichen: nirgendwo sonst hat die Anzahl der (rein virtuellen) Adventure Lab Caches derart zugenommen wie in Deutschland. Diese benötigen weder einen Reviewing Prozess, noch muß man Abstandsregeln einhalten. Deutsche Adventure Labs verzeichnen jedes Jahr Zuwachsraten von über 20 Prozent
- Aufhören: nachdem Mitte der 2010er Jahre die erste Welle an frustrierten Geocachern das Spiel verließen, weil es nicht mehr den Spirit der Anfangszeit hatte, hören heute Geocacher auf, weil ihnen das Spiel zu beliebig und langweilig geworden ist – ein typisches Symptom von Überangebot
Da wir täglich in engem Kontakt mit Cachern jeden Alters stehen und selbst aktive Geocacher sind, glauben wir, dass uns auch bald das Generationsproblem beschäftigen wird. Junge Cachergenerationen haben ein anderes Mobilverhalten. Was die Autoindustrie schon längst in den Wahnsinn treibt, gilt auch für’s Geocaching: die Bedeutung des Autos für die Generation XYZ hat derart abgenommen, dass viele gar keins besitzen oder nicht einmal einen Führerschein. Geocaching ist aber sehr auf’s Auto angewiesen, so sehr, dass manche Cacher im Zuge von gestiegenen Kosten ihre Touren mittlerweile bewusster planen.
Parallel zu dieser Entwicklung stirbt die alte Cacher-Generation buchstäblich weg. Die Folge: die Anzahl der Geocacher nimmt langfristig ab. Das kann aber auch eine Chance sein, denn manchmal ist ja weniger bekanntlich mehr.
Negativsaldo: weltweit geht die Zahl der aktiven Geocacher seit Jahren zurück, während die Anzahl der Geocaches zunimmt
Während die Anzahl der aktiven Geocacher in Deutschland letztes Jahr „nur“ um 4 Prozent abnahm, sieht das global dramatischer aus: dort gab es einen Rückgang um über 13 Prozent auf knapp 1,57 Millionen aktive Geocacher. Das ist ein Minus von über 26 Prozent zum Corona-Allzeithoch. Aber auch weltweit gibt es eine Dosenzunahme auf ein neues Allzeit-Hoch von 3,4 Millionen.
Noch nie gab es also so viele Geocaches pro Kopf, und die Cacher nutzen das: während weltweit 2024 jeder Geocacher durchschnittlich 48 Dosen fand, waren das 2025 knackige 69 Geocaches. Will heißen: 2025 sind die Geocacher weltweit um 44 Prozent aktiver geworden, was möglicherweise am 25 jährigen Geocaching-Jubiläum liegt, denn seit vielen Jahren liegt die jährliche durchschnittliche Fundrate pro Kopf eigentlich zwischen 40 und 50 Geocaches. Ob diese Entwicklung also anhält, werden wir erst nächstes Jahr sehen.
Neuer Rekord am Geocaching Geburtstag
Ach ja, Jubiläum: am fünfundzwanzigsten Jahrestag, dem 3.Mai 2025, wurden fast eine Millionen Caches geloggt. Damit war dieser Tag der aktivste des ganzen Jahres und nach unseren Recherchen der aktivste Tag ever. Auch in Sachen Events war das Jubiläumsjahr besonders aktiv: weltweit veranstalteten 15.652 Owner ein solches. Das sind knapp 6 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die gefühlte Eventflut bleibt aber ein deutsches Phänomen und man muss Events deshalb global ins rechte Licht rücken. Weltweit gab es 2025 nämlich lediglich 83.059 Eventteilnehmer. Nur 5,3 Prozent aller aktiven Geocacher besuchten überhaupt ein Event, umgekehrt waren fast 95% aller aktiven Geocacher selbst im Jubiläumsjahr nicht an Events interessiert.
T5 Entwicklung stabil, aber anders
In der Hauptdomäne von geoclimbing.de, dem T5 Geocaching, gab es im letzten Jahr auf den ersten Blick wenig Veränderung: seit Beginn unserer Aufzeichnungen bleibt die Anzahl der Geocaches mit der schwierigsten Terrainwertung in Deutschland zwischen 12.000 und 13.000 Dosen.
Dauertrend: T5 Geocaches sind in Deutschland seit Jahren stabil und in den USA stetig steigend
In den USA hält der T5 Aufwind dagegen seit Jahren an. Geocaches der höchsten Terrainwertung erfreuen sich in den Top Ländern hoher Beliebtheit. Inhaltlich unterscheiden sich die T5 Dosen allerdings sehr, siehe unten. Weltweit gibt es derzeit 78.621 T5 Geocaches. Das ist ein Plus gegenüber dem Vorjahr um 3,3 Prozent.
T5 Geocaches: Bild wandelt sich
Während vor 10 Jahren T5 Geocaching überwiegend aus Klettercaches bestand, hat sich das Bild mittlerweile geändert. Insbesondere die neu aufgekommenen Angelcaches nehmen einen Stellenwert ein, und der Gesamt-T5-Mix besteht in Deutschland jetzt aus Baumklettercaches, Wassercaches (Boot, Waten, Tauchen), Leiter- und Angelcaches, Lostplace Caches sowie sonstige T5 Geocaches (Konstruktionen, Höhle, Alpin-/Sportklettern, Klettersteig, schweres Terrain).
Bei Baumklettercaches ist Deutschland einsame Weltspitze mit knapp 5.400 Dosen. Das sind 45% Anteil (BRD) und 30% weltweit
Den höchsten Anteil an T5ern in Deutschland machen Baumklettercaches aus mit gut 5.000 Dosen. Das ist Weltrekord. Deutschland hat 30 Prozent aller weltweiten Baumklettercaches! Auf den Baumkletter-Plätzen folgen Frankreich (2.300 Baumklettercaches) und Tschechien (1.750).
Das T5 Bild sieht in den USA komplett anders aus. Dort dominieren mit 58% die Bootscaches. Baumklettercaches machen nur 5 Prozent aus, Leiter- und Angelcaches etwa 11 Prozent. Außerdem ist in den USA der Anteil an schwierigen/langen Wandercaches sowie Lostplace Caches mit jeweils etwa 6 Prozent höher. Auch werden einige Powertrails kurzerhand als T5 kategorisiert, obwohl es sich um ganz gewöhnliche Bodendosen handelt (9 Prozent).
Caches vor dem Tod retten
Für die Zukunft erwarten wir im T5 Bereich wenig Änderung, abgesehen davon, dass das Kletterniveau insgesamt leichter wird und sich den Anfangszeiten der 2000er Jahre angleicht.
Gefährliche Klettercaches bleiben aber einfach sexy. Allerdings leben solche herausragenden Dosen zunehmend vom Altbestand, denn die besonders verrückten Brücken-, Konstruktions- und Baumklettercaches würden heute so niemals mehr den Reviewing Prozess überstehen. Die goldenen Zeiten sind längst vorbei, wo durchgeknallte Kletterdosen einfach durchgewunken wurden. Aber gerade die sind das Salz in der Suppe, und leider hält stattdessen Regulierungswahn und Bürokratie auch schon beim Geocaching Einzug.
Wir haben daher ein T5 Rettungsprogramm ins Leben gerufen, denn wir glauben: es ist viel einfacher, bestehende Dosen zu erhalten, als neue zu legen! Es wäre schon sehr viel erreicht, wenn zukünftig jeder begeisterte T5 Kletterer automatisch Ersatzlogbuch und -dose mitführt, um in die Jahre gekommene Klettercaches der Nachwelt zu erhalten. Die kurze, schnelle Pflege kostet nicht viel, hat aber große Auswirkungen auf die Klettercommunity. Alles zum Programm findest du hier, sowie zusätzlich zahlreiche FAQ’s zum Thema Pflege, Adoption
Fazit
Geocaching steht nicht nur in seinem Jubiläumsjahr im schwierigen Spagat zwischen Weiterentwicklung, Regulierung und Spielspaß. Aktuell werden Geocacher selektiver und suchen sich zunehmend Nischen. Die „Spielränder“ bleiben beliebt, wie tolle Dosen mit vielen Favpoints, Kalendercaches, Kletterdosen, aber auch Massenrunden. Andererseits läuft das Spiel gerade in hochdichten Regionen wie Deutschland Gefahr, in der Masse zu verwahrlosen. Ob die aktuelle Entwicklung „weniger Cacher, aber mehr Dosen“ weiter anhält und zum Trend wird, wird erst die Zukunft zeigen.
Was meinst du? Was würdest du dir für das Hobby wünschen, insbesondere im Kletterbereich? Wir freuen uns über deinen Kommentar!
* ein aktiver Geocacher hat mindestens einen Found pro Jahr. Alle Daten Stand 31.12.2025. Wenn nicht anders erwähnt, sind alle Daten ohne Adventure Lab Caches. Datenquellen: Groundspeak, project-gc und geoclimbing.de.





Das ist eine gute Zusammenfassung der Situation insgesamt. Mehr Masse als Klasse auf der einen Seite, wirklich herausragende Caches mit Kalender auf der anderen Seite (den Einsatz eines Kalenders zur Regulierung finde ich tatsächlich nicht verkehrt, auch wenn es schwierig ist, einen Termin zu bekommen). Die GeoArt-Labs mit Multiplechoice-Aufgaben sind definitiv dekadent und verderben den Spaß an der eigentlichen Dose. Ich weiß, jeder spielt das Spiel anders, aber diese Auswüchse haben mit Geocaching an sich nicht mehr viel zu tun.
Ja, die Spieler verändern sich und damit auch das Spiel und manches Mal überlegt man sich, ob es noch das ist, was man gut findet. Ich habe mich eine ganze Weile über die Fake-Cacher aufgeregt, die sich von anderen in die Logbücher schreiben lassen (und damit an einem Tag auf verschiedenen Kontinenten loggen) oder gar nicht drin stehen, die die Labs vom Sofa aus machen, sich in die Fotos für Virtuals per Photoshop einfügen, Wochen später DNFs heimlich in Funde umwandeln etc. … leider macht es Groundspeak diesen Leuten mit der Einstellmöglichkeit des Profils auf privat auch leicht. Es gibt keine Kontrolle mehr durch die Allgemeinheit, dann sinkt die Hemmschwelle.
Ich für mich, lasse diese Massencacher inzwischen das Spiel spielen, wie sie es wollen. Sonst hätte ich aufgehört. Dafür bin ich zum Rosinenpicker geworden. Ich mache nur noch Dosen, die mir Spaß machen, die mich herausfordern. Mysts, in die man sich tagelang reinknien muss, bei denen man zu zweit oder zu dritt rätselt, lange Wanderungen ohne Beifang, schöne Ausblicke, LostPlaces und natürlich Kletter-T5er. Leider gibt es auf dem T5er-Markt nicht mehr viele neue Caches, aber es gibt sie. Leider scheint es mir auch dort zunehmend mehr auf Masse als auf Klasse zu gehen. Da fährt man lieber in größerer Gruppe ein Wochenende in die Eifel und findet dort alle 163 m eine Dose zum Klettern. Dagegen wird der T5er-Multi mit 5 unterschiedlichen Kletterstationen inkl,. Vorstieg, Prusiken und Seilbahnbau, der auch einen Tag dauern kann, aber nur einen Punkt bringt, nicht gemacht, obwohl dieser gar nicht so weit weg ist. Beim neuen T5er bei mir um die Ecke (sogar anfängertauglich) ist nach fast 4 Monaten der TTF noch zu haben. Es ist auch nicht mehr wichtig, dass jeder an der Dose ist. Das spart Zeit und Kraft und am Ende des Tages stehen zweistellige Fundzahlen auf dem Zettel, die man allein nie hätte klettern könnte. Warum soll ich mich dann als Owner um einen neuen T5er bemühen, wenn doch keiner kommt?
Was ich mir wünsche? Ich wünsche mir gerade ganz viel in ganz vielen Bereichen, deshalb bin ich zufrieden, wenn ich immer noch ein paar Caches finde, die mich herausfordern, sowohl D- als auch T-mäßig und dass es weiterhin ein paar nette Cacher gibt, die so ticken wie ich. Vielleicht tut es dem Spiel gut, wenn es nicht mehr um immer mehr Cacher und immer mehr Caches geht und auch nicht mehr nur um den Vergleich der Fundstatistiken.