Wie organisieren sich Kreativlogger?

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Vor 2015 tauschte man sich über Datenbanken/Listen aus mit teilweise zehntausenden Finalcoords, auch Lösungswege oder Logfotos. Draußen an der Dose loggte einer, schrieb nicht anwesende Cacher mit ins Logbuch. Diese loggten vom Schreibtisch aus.
 
Seitdem wird Kreativloggen raffinierter. Ziel ist stets, möglichst viele Geocaches zu loggen mit möglichst geringem Aufwand. Das geht so: eine Geocacher-Gruppe legt eine Statistikrunde über einen eigens geschaffenen Geocaching-Account. Die Gruppe teilt sich draußen auf beim Legen der Dosen. In jedem Logbuch sind bereits alle Geocacher der gesamten Gruppe eingetragen. So kann jeder die komplette Runde loggen, war aber nur an wenigen Dosen. Vorteil der selbst gelegten Runden: man kann jegliche D/T Kombis, Cachearten etc. wählen sowie eine große Cachemenge erreichen. Manche Runden werden danach archiviert, z.B. Paddelrunde um GC70GW3 (250 Dosen).
 
Auch neu ist ein länderübergreifendes “Familien”-System. Das “Familienoberhaupt” rekrutiert neue Familienmitglieder, spendet diesen gar Dosen. Die neuen Familienmitglieder legen diese aus und gestatten als Gegenleistung der gesamten Familie, diese von zu Hause aus zu loggen, ohne vor Ort gewesen zu sein und/oder im Logbuch zu stehen.
Die Familie ist clever, denkt sich kreative Log-Märchen aus, die den Anschein erwecken, als wäre man vor Ort gewesen und hätte alles mögliche erlebt. Sogar bereitgestellte Fotos werden angehängt.
Selbstverständlich dürfen die neuen Familienmitglieder jetzt auch die gesamten länderübergreifenden Cacherunden der übrigen Familie loggen, ohne dort gewesen zu sein.
Wundert sich ein ehrlicher dritter Cacher über fehlende/lückenhafte Logbucheinträge, und beschwert sich beim Owner, kommt er nicht weit. Denn der ist ja ein Familienmitglied. Es wird nicht geantwortet, abgewiegelt oder gar ehrliche Logs gelöscht. 
Die Kreativlogger-Familie gestattet sich also gegenseitig Logs ohne Vorort-Anwesenheit und teilweise ohne Eintrag im Logbuch. Obwohl gegen die Geocaching-Spielregeln, kann niemand etwas unternehmen. Typisches Beispiel ist die Paddelrunde um GC80X56 (ca.100 Dosen).
Zuweilen legt die “Familie” Cacherunden nur so lange, bis alle Mitglieder geloggt haben. Es gilt als sicher, dass von der Familie organisierte “Naturschützer” sich dann bei Groundspeak beschweren. Die neu gelegte Runde wird vom Headquarter archiviert, man hat seinen Statistikpunkt und ist fein raus.
 
Eine solche Story liest sich wie ein Krimi, ist aber real. Groundspeak ist der Familie schon längst auf der Spur und in der Szene ist sie sowieso bekannt. Sie verhält sich zuweilen wie im Krimi, nämlich mit massiven Angriffen, Verunglimpfungen, Log-Löschungen etc. Es gilt, das eigene System zu schützen. Auch wurde bereits vermutet, dass das Familienoberhaupt seine Mitglieder als Experiment-Junkies benutzt, und diese sind zu blöd das zu merken.
Es gibt auch Aussteiger aus dem System, einer hat sogar mal öffentlich ausgepackt. Zum Glück handelt es sich trotz allem um ein Spiel, denn er wurde unseres Wissens nach nicht mit einem Betonsockel im Fluss gefunden 😉

So unterhaltsam solche Stories sind – sie haben leider einen Einfluss auf Cacherverhalten, Glaubwürdigkeit und Spielverlauf von Geocaching. Die Motive solcher Massenentwicklung sind egoistisch, und Geocaching läuft Gefahr, sich von seinen positiven Ur-Genen zu entfernen wie Gemeinschaft, Natur und Suchfreude.