Warum werden Seil steif?

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Das Hauptproblem von Statikseilen im Seilkletter-Dauergebrauch ist das Steifwerden. Das Handling leidet. Viele glauben, es läge am Dreck.

Die Ursache für steife Seile ist der verdichtete Seilmantel. Durch Auf- und Abseilgeräte wird der gestaucht, gereckt, gewalkt, gepresst, unter Reibungshitze zusammengedrückt. Je schwerer der Seilkletterer und je schneller die Abseilfahrt, desto stärker dieser Effekt.
Auch ist die Anzahl der verwendeten Fäden im Seilmantel wichtig: dichte Mäntel mit bis zu 48 Fäden (viele Industriekletterseile) verdichten und verhaken sich untereinander stärker als 32er oder gar 16er Geflechte der Baumpflegeseile. Wir haben dazu zahlreiche Tests gemacht und Laboruntersuchungen. Steife Seilmäntel sind bis zu 4% dichter. Dadurch verringert sich die Knotbarkeit. Das Seil wird steif. Leider ist dieser Vorgang kaum rückgängig zu machen.

Auch getrocknete Waschmittelreste machen Textilien steif, ebenso kann hartes Wasser die Mantelfasern verkleben, allerdings meist nur solange, bis sie wieder bewegt werden – ähnlich dem Effekt von harter Kleidung nach dem Trocknen.

Nylon (PA)-Seilfasern schrumpfen nach dem ersten Waschen – der Mantel wird dichter. Spezielle (leider seltene) hydrophobe Anti-Nass-Ausrüstungen bringen etwas. Einige Hersteller verwenden das praktisch schrumpffreie Polyester im Mantel. Ob ein Seil schrumpft, steht im jeweiligen technischen Datenblatt unter Schrumpf/shrinkage. Werte unter 3% sind sehr gut. Du hältst dein Seil länger weich, wenn du es vor dem ersten Gebrauch wässerst. Das geoclimbing Ultimate Pro Seil muss nicht vorgewässert werden. 

Obwohl Seilmäntel 200 Grad aushalten – an den Kontaktflächen von Gerät zum Seil werden diese Temperaturen erreicht. Der Seilmantel wird angeschmolzen, die Fasern verbacken und das Seil wird rauer/steifer. Dieser Effekt ist am Mantel-Glanz erkennbar.
Sicherheitstechnisch sind erst starke Hitzeschäden bedenklich: wenn dein Seil glasig wird, meist in Form von dunklen langen Streifen, solltest du vorsichtig sein. Der Mantel könnte an dieser Stelle brechen.

Dein Seil wird am steifsten sein in den Bereichen wo du am häufigsten abbremst – etwa zwischen Seilmeter 3 und 10, meist an beiden Enden. In der Seilmitte ist es dagegen oft noch geschmeidig, ebenso an den Enden. Auch bei Seilsturz-Prüfanlagen kennt man diesen Effekt: das Seil wird am steifsten an der Umlenkung, also dort, wo bei einem Sturz die meiste Energie in Reibung umgewandelt und der Mantel verdichtet wird.
 
Was also tun?
Eine Reduktion schaffen Abseilgeräte mit großen Bremsnocken, langsames Abseilen sowie ab und zu ein Umdrehen des Seils. Auch schonen Tube und Achter das Seil – leider ist man damit aufwärts nicht beweglich. Nach unseren Erfahrungen machen auch spezielle Hydrophobierungen (Ausrüstung gegen Nässe) den Mantel weicher – die Fasern gleiten besser aufeinander. Bei Statikseilen leider äußerst selten.

Unsere eigenes Ultimate Pro Seil (siehe hier) bleibt dauerhaft geschmeidig. Erreicht wird dies durch eine Kombination von Materialien, Flechttechnologie und Verarbeitung.