Warum performen Seile unterschiedlich trotz gleicher Daten?

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Obwohl identische Dehnungswerte, können sich Statikseile in der Realität völlig unterschiedlich verhalten.

Das liegt am offiziellen Messverfahren:
Ein 3m langes Seilstück wird nach EN 1891 mit einem Gewicht von 50 Kilo belastet. Dann hängt man weitere 100 Kilo dran und misst die Verlängerung des Seils. Dieser Wert ist der Dehnungswert und wird in Prozent ausgedrückt. Statikseile dürfen dabei 5 Prozent nicht überschreiten. Meist liegen sie zwischen 3 und 4 Prozent. Der Dehnungswert (“Elongation”) kannst du in den technischen Daten eines Seils ablesen.
 
Das offizielle Messverfahren gibt also nur einen Endwert an. In der Realität ist das Körpergewicht von Kletterern aber unterschiedlich. Auch gibt es Statikseile, die sich zu Beginn einer Belastung dehnen und danach weniger (wir nennen das “Endhärte”). Andere haben eine kontinuierliche Dehnung über die gesamte Belastungsstrecke. Die EN Norm kann das nicht zeigen, genauso wenig wie das Verhalten eines Seils auf Dauer. Statikseile können sich daher völlig unterschiedlich anfühlen.

Unsere Erfahrung:

  • Der Seildurchmesser hat auf das Dehnungsverhalten einen geringen Einfluss. Ein 11mm Seil ist nicht automatisch dehnungsärmer als ein 10mm Seil
  • Speläo- und Canyoningseile neigen zu einer “Endhärte”: nach einer Anfangsdehnung fühlen sie sich unter Last eher fest an, was den Aufstieg erleichtert
  • Working-/Industrieseile haben eine eher kontinuierliche Dehnung, wippen beim Aufstieg etwas mehr
    Alte Seile werden “härter” und steifer
  • Nasse Seile dehnen sich etwas mehr. Vereiste Seile sind hart
  • Hohe Seilmantelanteile von über 40% (steht auf der Packung des Seils) führen zu einer höheren Endhärte
  • das dehnungsärmste uns bekannte Seil mit sehr hoher Endhärte ist unser eigenes Ultimate Pro mit Real-Werten unter 2%