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Tipps zu Seilrollen

Rollen sind nützliche Tools für´s Seilklettern. Sie helfen beim Einrichten von Seilbrücken und sind unersetzlich beim Aufbau von Flaschenzügen. Hilfreich sind sie auch beim Aufstieg am Seil oder als Umlenkung. Es gibt unendlich viele Modelle in unterschiedlichsten Preislagen. Die wichtigsten Tipps:

  • Bewegliche Schenkel: Rollen mit beweglichen Seitenwangen/Schenkeln und großer Karabiner-Öffnung verkanten sich weniger bei Drehbewegungen. Rollen mit starren Schenkeln (stehen weit auseinander) schleifen dagegen am Seil. Letztere finden wir nur als Sonderkonstruktionen interessant wie z.B. der Pinto Pulley von DMM
  • Wirkungsgrad: der Wirkungsgrad einer Rolle gibt an, wie gut die Rolle rollt bzw. wie viel Energie in Reibung verloren geht. Rollen mit Nabenlager haben einen Wirkungsgrad von 70-80%. Besser sind (teure) Kugellager-Rollen mit Wirkungsgraden bei 90-95%. Je höher der Wirkungsgrad, desto leichter läuft die Rolle. Zum Vergleich: lenkst du dein Seil ohne Rolle über einen Karabiner, gehen ca. 50% der Energie in Reibung verloren. Baust du einen mehrfach umgelenkten Flaschenzug nur mit Karabinern anstatt Rollen, verpufft die Zugenergie in Reibung
  • Material: die einfachsten Rollen haben Aluschenkel mit einer Nylonrolle. Diese schmilzt bei über 200 Grad. In Flaschenzügen (mit hohen Reibungswerten) deshalb diese Rollen nie an erster Umlenkung einbauen. Die meisten Rollen sind allerdings komplett aus Alu und gut für Textilseile geeignet. Schließlich gibt es Rollen aus Stahl, die zusätzlich an Stahlseilen (Klettersteig) funktionieren – meist handelt es sich hier um hintereinander angeordnete Doppelrollen. Die Nutzung von Stahlseilen außerhalb von Klettersteigen kann gefährlich sein
  • Form und Größe: die einfachsten Rollen haben kreisrunde Seitenwangen. Für Standardanwendungen ist das okay. Die Wangen schieben einen eventuellen Prusikknoten schlechter und schützen das Seil eher mäßig gegen Einflüsse von außen (Abrieb). Abgeflachte Schenkel mit leicht herausstehender Rolle sind besser. Je größer der Durchmesser eine Rolle, desto besser läuft sie. Große Rollen sind allerdings schwer und voluminös. Für unsere Zwecke reichen Rollen mit Durchmessern unter 30mm (gemessen an der Lauffläche) meist aus
  • Bauart: Einfachrollen sind für die meisten Anwendungen ausreichend. Für einen Flaschenzug ist mindestens eine Doppelrolle sinnvoll mit nebeneinander angeordnete Rollen. Hintereinander angeordnete Rollen sind in einer Zipline (Seilrutsche) sinnvoller. Generell empfehlen wir den sehr vorsichtigen Einsatz von Rollen zur Fortgewegung in Seilbrücken – bei zu starker Neigung wird die Fahrt enorm schnell
  • Bruchwerte: Bei Rollen unterscheidet man zwischen Arbeitslast und Bruchlast. Arbeitslasten liegen bei Standardrollen meist um 200-500 Kilo – diese Lasten hält die Rolle dauerhaft aus. Die Bruchlast gibt den Grenzwert an – meist über 1,5 Tonnen. Drunter sollte man nicht gehen

Für einige Anwendungen gibt es auch spezielle Rollen. So sind die Rollen von DMM ( z.B. Triple Attachment Pulley, Pinto) beim Baumklettern sehr beliebt, da sie dafür besondere Eigenschaften besitzen.

Auch gibt es Rollen mit eingebautem Wirbel für verdrehfreies Seilmanagement. Die erwähnten Tandemrollen sind in Klettersteigen für die Seilrutsche unerlässlich.

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