Sportkletterer – mit Nichts ne Sicherung bauen

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Wer Seilklettern erlernen möchte und Ausrüstung sucht, kommt fast zwangsweise mit dem Sportklettern in Kontakt. Denn diese Ausrüstung findet man in Sportläden.
Der Sportkletterer will vor allem eins: Klettern. Möglichst frei. Während für den Industriekletterer das Klettern Mittel zum Zweck ist, ist das für den Sportkletterer der einzige Zweck. Der Sportkletterer hat ein unglaubliches Vertrauen in seine Ausrüstung. Hauptsache, alles ist leicht und man braucht möglichst wenig Zeug. Der Sportkletterer ist fassungslos gegenüber den Ausrüstungsorgien am Gurt des Industriekletterers.
Das alles wirkt um so befremdlicher, als der Sportkletterer mit Abstand derjenige mit den meisten Stürzen ist. Trotzdem verwendet er nur ein Seil, keinen Seilschoner und Karabiner ohne Verschluss-Sicherung. Ist der Sportkletterer behämmert?
Keineswegs. Der Sportkletterer hat eine völlig andere Geisteshaltung. Er macht das Klettern aus reinem Spaß, aus Freiheitsdrang. Und aus Erfahrung. Er weiß, dass sein Seil hält bei einem Sturz und konzentriert sich weniger auf die Vermeidung, sondern um das richtige Verhalten bei einem Sturz. Die Kulmination findet man beim Bigwall Klettern: da hängen Sportkletterer an einem einzigen dünnen Seil viele hundert Meter über dem Abgrund und sind nur gesichert über ein paar mobile Klemmkeile in winzigen Felsspalten.
 
Wie sich Sportkletterer sichern
Die Grundtechnik der Sportkletterer ist die Sicherung vom Boden: unten steht einer mit Sicherungsgerät, und der Kletterer oben kann sich voll aufs Klettern konzentrieren. Stürzt er, wird er vom Partner am Boden gehalten und abgelassen. Diese Technik findet bei Geoclimbern sehr selten Anwendung, da diese von Anfang an im Seil hängen und daran aufsteigen. 
Die von Sportkletterern verwendete Ausrüstung ist bedingt für das T5 Klettern geeignet, da Geoclimber länger im Seil hängen und extrem selten stürzen. Bei Seilen, Karabinern, Gurten bedienen sie sich geschickter aus anderen Bereichen. Dennoch sind manche Sicherungsgeräte wie das Grigri oder das Tube für Doppel-Abseilsituation/Notsituationen gut geeignet. 
 
Was wir von Sportkletterern lernen
Von Sportkletterern lernen wir vor allem Geistes-Grundhaltungen: unsere Ausrüstung hält im Sturzfall. Es ist kein Ausrüstungs-Fuhrpark nötig, um sicher zu klettern – sofern man die wenigen Dinge sicher beherrscht. Und ja, T5 Cachen darf Spaß machen – was in einigen angstgesteuerten T5-Ausbildungen und Weltverbesserer-Forendiskussionen aus unserer Sicht zu oft vergessen wird.