Sondereinheiten – aus wenig mach viel

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Den Umgang/Zugang mit Seilen kennen auch Militär und Spezialkräfte. Insbesondere letztere sind darauf geschult, flexibel zu reagieren. Häufig werden Situationen trainiert, in denen man wenig Ausrüstung zur Verfügung hat und im McGuyver-Stil aus Nichts etwas zaubern muss. Spezialkräfte haben jede Menge andere schwere Ausrüstung bei sich, so dass die Abseilausrüstung auf ein Minimum reduziert wird. Im Einsatz gibt es zwei Grundszenarien:
Die Ausrüstung wird unmittelbar für den Eingriff eingesetzt, etwa beim Zugang durch Fenster. Dies betrifft insbesondere Spezialkräfte. Man kann meist mehr Material für den Eingriff zur Verfügung stellen. Alles muss einhändig bedienbar sein und extrem schnell zu lösen, was zwangsweise einen Konflikt ergibt zwischen Sicherheit und Geschwindigkeit. Deshalb gibt es sehr spezielle Produkte
Die Ausrüstung wird für den Zugang zum Einsatzort, zum Überwinden von Hindernissen oder zur Fortbewegung verwendet. Dies betrifft häufig den militärischen Bereich, etwa wenn sich Einzelkämpfer abseilen müssen um weiterzukommen. Hier muss die Ausrüstung besonders leicht und vielseitig sein, da sie über weite Strecken getragen wird und einen Teil der Gesamtausrüstung darstellt
Wohl kaum ein Einflussbereich des T5 Kletterns trainiert verschiedene Situationen derart wie diese Gruppe. Ob kopfüber abseilen, Verletzte durch schwierigstes Gelände bewegen oder besonders riskante Situationen überwinden – es gibt nichts, was nicht geübt wird.
 
Wie sich Sondereinheiten sichern
Die Sicherung am Seil hängt stark vom Szenario ab. Wenn viele Personen abgesetzt werden sollen, etwa vom Hubschrauber, findet gar keine Sicherung statt. Es wird mit Händen und Füßen an Seilen mit 4-5 cm Durchmesser runtergerutscht, und das aus bis zu 40m Höhe. Navy Seals setzen bei viel Ausrüstung auch ein sogenanntes FRD Gerät ein mit Schnelltrennkarabinern.
In Zugriffs-Szenarien finden wir überwiegend Einfachseile vor (teilweise aus Aramidfasern bzw. mit Stahl-Schnittschutzeinlagen) mit eher simplen Sicherungsgeräten wie einer speziellen Militärversion des Petzl Grigri oder dem sogenannten “double stop” mit  Schnelltrenneinheit.
Wird die Ausrüstung über längere Strecken getragen, findet man sehr häufig den Abseilachter als Sicherungsgerät sowie dünne Einfachseile/Halbseile. Das Hintersichern mit Kurzprusik (lernst du auf unserem Grundkurs) ist bekannt und wird auch angewandt.
Der Mehrseileinsatz wie bei Industriekletterern wird nicht praktiziert und würde die Einsatzkräfte zu sehr behindern. Allein zur Rettung/Bergung von Verletzten werden zuweilen mehrere Seile eingesetzt.
 
Was wir von Sondereinheiten lernen
Hier verhält es sich ähnlich wie bei Sportkletterern: je mehr Übung wir haben, desto mehr vertrauen wir unserer Ausrüstung. Auch mit wenig Ausrüstung kommt man sicher zum Ziel – man muss sie nur kennen und den sicheren Umgang damit beherrschen.