Seildaten sind nicht alles

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Technischen Seildaten bieten zwar Orientierung. Andererseits sagen sie nicht alles aus. Wer sein Seil nur nach Papierwerten kauft, wird eventuell enttäuscht. Das ist wie bei Kameras: die Megapixel sagen wenig aus aus über die Bildqualität.

Datenfreaks sollten wissen:

  • Varianzen: manche Hersteller reizen zulässige Mess-Varianzen bei der Angabe der Daten aus und geben den bestmöglichen Wert an. Tatsächlich verhält sich das Seil aber anders. Ein Seil mit 3% Dehnung kann in der Realität locker 4% haben. Andere Hersteller sind dagegen sehr genau
  • Test-Overkill: Viele Hersteller testen ihr Seil nach den Vorgaben der EN Norm und hören auf, wenn das Seil die Norm erfüllt. Etwa bei der maximalen Sturzzahl: die Norm schreibt 5 gehaltene Stürze vor. Man könnte jetzt weiter testen, bis man schwarz wird bzw. das Seil reißt. Irgendwann gibt jeder Hersteller auf, denn die Testerei ist teuer, und Statikseile sind gewöhnlich unterfordert beim Sturztest. Steht als Sturzzahl >5 beim einen, Sturzzahl >20 beim anderen Seil, sagt das nichts darüber aus, wieviele Stürze das Seil tatsächlich hält. Der erste Hersteller hat nur früher aufgehört
  • Realität: Alle technische Daten werden unter besten Bedingungen und im Neuzustand ausgeführt. Die Realität sieht oft anders aus. Wetter, Alter und Zustand des Seils, Umlenkungen, angehängtes Gewicht und Verhalten sind häufig dramatisch anders. Im Automobilbereich kennen wir das ja auch beim Spritverbrauch
    Die Realität schlägt noch immer die Messwerte, das ist auch unsere Erfahrung nach Jahren.
  • Zu einer ersten Orientierung sind Seildaten hilfreich. Handling, Geschmeidigkeit, Abseilverhalten, Robustheit werden aber nicht abgedeckt: su musst ausprobieren! Wir bieten daher auf unseren Kursen und Events zahlreiche Testseile an.