Der Industriekletterer – Arbeit zählt, nicht das Klettern

< Zurück

Um zu verstehen, dass Geoclimbing eine eigene Sportart darstellt, stellen wir hier verschiedene Einflussbereiche vor.
Die Aufgabe des Industriekletterers besteht darin, Dinge zu reinigen, zu reparieren/inspizieren/montieren in schwer zugänglichen Bereichen.
Industriekletterer ist im engeren Sinne kein Beruf, sondern eine Zusatzausbildung. Meist haben Industriekletterer technische oder Handwerksberufe gelernt und wenden diese in der Höhe an – mit der Betonung auf “auch”, denn nur wenige Industriekletterer können von Höhenarbeit leben. Es gibt auch jede Menge ungelernte Kräfte, die schon nach einer 3-tägigen Pflichtausbildung Hochhausfenster reinigen. Durch billige und schlecht ausgerüstete Arbeitskräfte stehen Industriekletterer immer mehr unter Kostendruck, außerdem machen große Firmen eigene Ausbildungen und setzen die Leute als (preiswertere) Angestellte ein. Boom-Markt waren in den letzten Jahren Windkraft- und Solaranlagen.
Der Umgang mit Seilen ist für Industriekletterer immer Mittel zum Zweck. Sie sind nicht zum Klettern hier, sondern zum Arbeiten. Häufig wird dieses ganze Sicherungs-Gedöns als lästig betrachtet, und es gibt jede Menge Nachlässigkeiten im Umgang mit der Ausrüstung. Da diese fast immer gestellt wird vom Arbeitgeber, geht man damit nicht zimperlich um.
Industriekletterer arbeiten in gefährlichem Umfeld: scharfe Kanten, Baustellenatmosphäre, Sägen, Bohrer, Flex, Messer, Chemikalien – das alles ist Alltag und gefährdet die Sicherheit. Das noch gepaart mit schludrigen Arbeitern, die sich nicht wirklich interessieren für ihre Ausrüstung – ein fataler Mix. Deshalb sind Industriekletter-Ausbildungen oft sehr restriktiv und konservativ. Es gilt null Toleranz, zuweilen ist der Ton entsprechend. Es gelten nur die eigenen Vorgaben, andere Einflüsse werden nicht toleriert. Die Neigung zu übertriebener Selbstdarstellung ist bei Industriekletter-Ausbildern höher als woanders.
 
Wie sich Industriekletterer sichern
Wegen der hohen Gefährdung sichern sich Industriekletterer stets an zwei Seilen. Genossenschaften schreiben das vor, und es wird ihnen zu Recht während der Ausbildung eingehämmert. Dass Geocacher nur ein einzige Seil zur Sicherung verwenden (wie Baumpfleger und Sportkletterer), ist für sie ein Rütteln an Grundwerten: sie dürfen das gar nicht vertreten. Entsprechend werden Geocacher eingeschüchtert – und viele lassen sich aus Unwissen beeindrucken.
Die verwendete Ausrüstung ist ausgelegt auf hohe Belastung, oft auch Kurzfristigkeit: Seile werden je nach Einsatz schon nach dem ersten Gebrauch weggeworfen. Das Gewicht spielt keine Rolle, da Industriekletterer zur Baustelle vorfahren.
 
Was wir von Industriekletterern lernen
Geocacher können viele Ausrüstungsgegenstände der Industriekletterer verwenden. Gurte, Seile und Abseilgeräte, auch manche Bewegungstechniken am Seil sind interessant.
Generell werden Industriekletterer aber “overhyped” und von einigen Geocachern schon fast kniefallartig bewundert. Vielleicht liegt das am beeindruckenden Geklimper am Gurt und dass sie sich zuweilen martialisch geben. Dabei haben sie keine Ahnung vom Baumklettern, wichtigen Zusatztechniken, von Speläotechniken oder Vorstieg/alpinen Techniken.